Farne gehörten zu den ersten Pflanzen, die den Übergang vom Wasser zum Land bewältigt haben. Sie besiedelten die Kontinente lange vor den Blütenpflanzen und prägten über Jahrmillionen ganze Landschaften. Heute umfasst die Gruppe noch immer weit über 10.000 Arten, und ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in den feuchten Tropen. In Zimmerkultur sind sie beliebt und gleichzeitig eine der häufigsten Enttäuschungen, weil ihre wichtigste Anforderung in normalen Wohnungen kaum erfüllt wird.
Fortpflanzung ohne Blüte
Farne bilden keine Blüten, keine Früchte und keine Samen. Sie vermehren sich über Sporen, und ihr Lebenszyklus verläuft in zwei getrennten Generationen.
Auf der Blattunterseite ausgewachsener Farne sitzen die Sporenbehälter, meist in Gruppen, die als bräunliche Punkte oder Streifen erkennbar sind. Diese Strukturen werden regelmäßig für Schädlingsbefall gehalten und ebenso regelmäßig zu Unrecht bekämpft. Ein Blick auf die Anordnung hilft: Sporenbehälter sitzen in einem streng regelmäßigen Muster, Schild- oder Schmierläuse verteilen sich unregelmäßig.
Aus den freigesetzten Sporen wächst kein neuer Farn, sondern ein winziges, herzförmiges Gebilde von wenigen Millimetern Größe, der sogenannte Vorkeim. Auf ihm entstehen die Geschlechtsorgane, und dort findet die Befruchtung statt. Dafür braucht es einen Wasserfilm, durch den sich die beweglichen männlichen Zellen bewegen können. Erst aus der befruchteten Eizelle wächst dann der Farn, den wir kennen.
Diese Abhängigkeit von flüssigem Wasser im Fortpflanzungszyklus ist der Grund, warum Farne dort dominieren, wo es dauerhaft feucht ist, und warum sie in trockenen Klimazonen fast vollständig fehlen.
Wuchsformen in den Tropen
Baumfarne. Arten der Gattungen Cyathea und Dicksonia bilden aufrechte Stämme von mehreren Metern Höhe. Der Stamm besteht nicht aus Holz, sondern überwiegend aus einem dichten Geflecht von Wurzeln, die den eigentlichen Spross ummanteln. An der Spitze sitzt ein Schopf großer Wedel. Baumfarne prägen die Nebelwälder mittlerer Höhenlagen.
Epiphytische Farne. Der Geweihfarn (Platycerium) bildet zwei völlig unterschiedliche Blatttypen aus: flache, schildförmige Nischenblätter, die sich an die Rinde legen und herabfallendes Laub sowie Wasser auffangen, und darüber die namensgebenden, gegabelten Wedel. Der Nestfarn (Asplenium nidus) formt aus seinen trichterförmig angeordneten Blättern einen Fangtrichter, in dem sich organisches Material sammelt und zu Humus zersetzt.
Bodenfarne. Die große Mehrzahl der Arten wächst im Unterholz auf humusreichem, gleichmäßig feuchtem Grund, oft in dichten Beständen.
Arten für die Zimmerkultur
Nestfarn (Asplenium nidus). Ungeteilte, glänzende Wedel in Trichterform. Robuster als die meisten Farne und deshalb ein guter Einstieg. Nicht in den Trichter gießen, dort sammelt sich sonst Fäulnis.
Schwertfarn (Nephrolepis exaltata). Der klassische Ampelfarn mit überhängenden, fein gefiederten Wedeln. Wächst kräftig, verlangt dafür aber verlässlich Feuchtigkeit.
Geweihfarn (Platycerium bifurcatum). Wird auf Korkrinde oder einem Holzbrett aufgebunden und hängend kultiviert. Optisch der auffälligste Farn für den Innenraum. Wässern durch Tauchen des gesamten Wurzelballens.
Frauenhaarfarn (Adiantum). Feinste Fiederblättchen an drahtigen, schwarzen Stielen. Sehr dekorativ und ausgesprochen empfindlich. Ein einziges Austrocknen des Ballens genügt, um sämtliche Wedel zu verlieren. Nur für Standorte mit dauerhaft hoher Luftfeuchte, etwa ein helles Badezimmer.
Pellefarn (Pellaea rotundifolia). Rundliche, derbe Fiederblättchen. Verträgt etwas mehr Trockenheit als die übrigen und ist damit die pragmatischste Wahl für normale Wohnräume.
Pflege: die Luftfeuchte entscheidet
Feuchtigkeit im Substrat. Der Ballen soll gleichmäßig feucht bleiben, ohne dass Wasser im Untersetzer steht. Farne haben feine, oberflächennahe Wurzeln, die weder Austrocknen noch Staunässe vertragen. Zwischen diesen beiden Fehlern liegt ein schmaler Korridor.
Luftfeuchte. Der eigentliche Knackpunkt. Die meisten tropischen Farne wollen dauerhaft über 60 Prozent. Eine beheizte Wohnung liegt im Winter oft bei 25 bis 35 Prozent. Braune, vertrocknete Wedelspitzen sind die direkte Folge und lassen sich durch mehr Gießen nicht beheben, im Gegenteil.
Was hilft: Aufstellen in Bad oder Küche, Gruppierung mehrerer Pflanzen zu einem gemeinsamen feuchten Kleinklima, eine Schale mit nassem Blähton unter dem Topf, ausreichender Abstand zu Heizkörpern. Regelmäßiges Übersprühen wirkt nur kurzfristig, hebt die Feuchte für wenige Minuten und ist eher Symbolpolitik als Lösung.
Licht. Halbschattig bis schattig. Direkte Sonne verbrennt die dünnen Wedel schnell. Farne gehören zu den wenigen Gruppen, bei denen ein Nordfenster ein guter, kein schlechter Standort ist.
Nährstoffe. Zurückhaltend düngen. In der Wachstumszeit alle vier bis sechs Wochen eine schwach dosierte Gabe reicht aus. Farne reagieren empfindlich auf Salzanreicherung im Substrat.
Umtopfen. Alle zwei bis drei Jahre in lockeres, humusreiches Substrat mit gutem Wasserhaltevermögen. Der Wurzelballen darf dabei nicht zu tief gesetzt werden.
Alte Wedel. Vergilbte oder braune Wedel bodennah abschneiden. Das sieht nicht nur besser aus, sondern lenkt die Ressourcen der Pflanze in den Neuaustrieb.
Warum sich der Aufwand lohnt
Farne bilden keine Blüten und werden deshalb oft unterschätzt. Ihr Reiz liegt in der Struktur: in der Feingliederung der Wedel, im gestaffelten Grün einer Gruppe und in der eingerollten Spitze eines neuen Triebs, die sich über Tage entrollt. Wer diesen Vorgang einmal beobachtet hat, versteht, warum diese Pflanzengruppe seit dem 19. Jahrhundert eigene Sammlerkreise hat.
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